Ortsteile & Geschichte

Die heutige Gemeinde Gomadingen ist im Laufe der Zeit mit den Ortsteilen Gomadingen, Offenhausen, Steingebronn, Grafeneck, Marbach, Dapfen und Wasserstetten gewachsen.

Die Ortsgeschichte von Gomadingen

Das natürliche Wasservorkommen begünstigte die Siedlungsanlage und -entwicklung auf der gesamten Gemarkung. Alle Siedlungsplätze liegen im Tal der Großen Lauter oder in den ihm zugeordneten Seitentälern. Schon früh war das heutige Gemeindegebiet besiedelt; zahlreiche Grabhügel und Grabhügelgruppen aus der Hallstattzeit weisen darauf hin. Seitdem brach die Besiedlung nicht mehr ab. Der Alblimes, eine römische Straße, die die Kastelle auf der Schwäbischen Alb miteinander verband, führte hier vorbei, denn auch auf Gomadinger Markung stand ein Römerkastell samt einem Lagerdorf.

Seit der Kreisreform 1973 gehört es zum Landkreis Reutlingen. Im 19. Jahrhundert war Gomadingen noch völlig landwirtschaftlich geprägt, wobei allerdings nur rund ein Drittel der Einwohner ihr Einkommen ausschließlich aus der Landwirtschaft bezogen, die anderen betrieben im Hauptberuf ein Handwerk: 29 Weber, 15 Maurer, 8 Zimmerleute, je 7 Schuster und Schneider. Auch heute noch spielt die Landwirtschaft eine bedeutende Rolle in Gomadingen. Daneben ist aber auch der Tourismus – vor allem seit der Ausweisung des Biosphärengebiets Schwäbische Alb – von großer Bedeutung.

Der Ortsname leitet sich vom Personennamen Gummund ab. Die Endung auf -ingen zeigt, dass das heutige Dorf auf eine alemannische Siedlung zurückgeht. Sie ist in der im ersten Drittel des 12. Jahrhunderts entstandenen Chronik des nahegelegenen Klosters Zwiefalten, das hier umfangreichen Besitz hatte, erstmals erwähnt. Nach dem Dorf nannte sich ein Niederadelsgeschlecht, das um 1200 mit dem Ritter Nodung erstmals genannt wird. Das Wappen dieses Geschlechts übernahm die Gemeinde in ihr Ortswappen.

Gomadingen gehörte vermutlich seit dem 11. Jahrhundert zur Grafschaft Urach und war Teil des Kirchspiels, eines seit dem Spätmittelalter nachweisbaren Verwaltungs- und Gerichtsbezirks. Zwischen 1254 und 1265 gelangte das Dorf an die Grafschaft Württemberg und wurde dem Oberamt Urach, einem den heutigen Landkreisen entsprechenden Verwaltungsbezirk, zugeordnet. 1276 ist ein Schultheiß urkundlich bezeugt. Das bedeutet, dass in Gomadingen bereits eine Dorfgemeinde bestand.

Die Kirche mit ihrem Martinspatrozinium ist 1180 erstmals erwähnt; 1269 war der Ort Dekanatssitz. Einen Schulmeister hatte das Dorf – mit wenigen Unterbrechungen – seit 1590, ein Schulhaus seit 1667. Im 30-jährigen Krieg hatte Gomadingen schwer zu leiden. 1641 war das Dorf menschenleer: Rund 90% seiner Einwohner waren ums Leben gekommen, die anderen hatten sich hinter die schützenden Mauern des nahegelegenen Schlosses Grafeneck geflüchtet.

Nur etwa 10% der Häuser hielten den mehrfachen Bränden stand; auch die Kirche wurde schwer beschädigt. Der Wiederaufbau ging nur mühsam voran. Erst 1721 war mit 264 Personen der Bevölkerungsstand von 1617 wieder erreicht. Aber noch waren die meisten Häuser nur einstockig und in schlechtem baulichen Zustand. Als Württemberg in napoleonischer Zeit erheblichen Gebietszuwachs erhalten hatte, kam es zur verwaltungsmäßigen Neugliederung des zum Königreich erhobenen Landes. Dabei wurde Gomadingen 1808 dem Oberamt (seit 1938 Landkreis) Münsingen zugeteilt.

Der bedeutendste Gewerbebetrieb war noch im ganzen 19. Jahrhundert die Mahlmühle an der Lauter, die einst dem Kloster Zwiefalten gehört hatte. Der Bau der Eisenbahnstrecke Kleinengstingen-Münsingen bescherte Gomadingen 1893 einen Bahnanschluss und den Beginn des Fremdenverkehrs, denn nun war der Ort für Wanderer und Touristen aus dem Albvorland und dem Mittleren Neckarraum leicht erreichbar. 1894 entstand eine Ortsgruppe des Schwäbischen Albvereins; der 844 Meter hohe Sternberg erhielt ein erstes Aussichtsgerüst.

Das Buch "Gomadingen - Im Wandel der Zeiten"

Herausgeber:
Schwäbischer Albverein
Ortsgruppe Gomadingen
Preis: 2,50 €

Die Ortsgeschichte von Offenhausen

Ebenfalls in der Zwiefalter Chronik erstmals erwähnt ist Offenhausen; es gehörte in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts den Herren von Horb. Bis ins 13. Jahrhundert war hier ein Ministerialengeschlecht ansässig, spätestens in der Mitte des 13. Jahrhunderts besaßen die Herren von Lupfen (im Hegau) den Ort, wohin sie zwischen 1258 und 1262 ein von ihnen gegründetes Frauenkloster verlegten.

Es wurde in unmittelbarer Nähe des Quelltopfs der Großen Lauter errichtet. Damals wurde das Dorf vermutlich aufgelöst, die Kirche blieb aber noch bis ins 15. Jahrhundert bestehen. 1278 wurde der Frauenkonvent in den Dominikanerorden aufgenommen und das Kloster erhielt den Namen Gnadenzell. Der alte Ortsname verschwand aber nie völlig. Nach der Einführung der Reformation in Württemberg verbot Herzog Ulrich 1536 die Messe, die Aufnahme von Novizinnen und hob die Klausur teilweise auf. Allerdings wurden die Nonnen nicht vertrieben, sondern konnten, wenn auch unter schwierigen Bedingungen, in den Konventsgebäuden weiterhin wohnen. Erst als 1613 die letzte Nonne starb, wurde das Kloster geschlossen.

Schon in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts begann Württemberg, das Klosterareal in einen Gestütshof umzuwandeln, der 1817 dem Landgestüt Marbach zugewiesen wurde. 1827 bestand er aus sechs Wohngebäuden, dazu Scheunen, Ställen und Nebengebäuden sowie der zu einem Strohmagazin zweckentfremdeten Klosterkirche. Der Weiler, der allmählich bei dem Gestüt entstand, wurde 1812 Gomadingen eingegliedert. Die im gleichen Jahr profanierte Klosterkirche wurde 1987 restauriert und beherbergt heute das
Kloster- und Gestütsmuseum
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Die Ortsgeschichte von Steingebronn

Auch Steingebronns Ersterwähnung findet sich in der Zwiefalter Chronik. Der Ort wurde vermutlich als Weiler zu einer Burg, von der heute keine Spuren mehr zu erkennen sind, im 11./12. Jahrhundert angelegt. Kirche und Pfarrei sind 1275 erstmals erwähnt, Patrone waren die Heilige Walpurga, die Apostel Philippus und Jakobus sowie die Heiligen Drei Könige.

1276 nannte sich erstmals ein Mitglied des Adelsgeschlechtes der Speth von Steingebronn, in ihrer Hand lag die Ortsherrschaft spätestens seit dem 13. Jahrhundert. 1562 ging der ganze Ort durch Kauf an Württemberg über, das dort seit der Reformation bereits das Patronat und umfangreiche Grund- und Zehntrechte besaß. Auch Steingebronn war nach dem 30-jährigen Krieg entvölkert und zerstört und hatte die Verluste erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts wieder aufgeholt.

Das Dorf gehörte zu Beginn des 18. Jahrhunderts zum äußeren Kirchspiel und war später selbst Sitz eines Unteramts. Bei der Verwaltungsneugliederung zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde es 1808 dem Oberamt Münsingen zugeteilt. Im Zuge der Gemeindereform schloss sich Steingebronn 1971 der Gemeinde Gomadingen an.

Die Ortsgeschichte von Grafeneck

1261 traten erstmals zwei Brüder von Grafeneck auf, die sich nach der auf einem Geländesporn über einem Seitental der Lauter liegenden Burg nannten. Im Schild führten sie eine Raute. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts erwarb die Familie umfangreichen Besitz aus dem Erbe der Blankensteiner unter anderem zu Dapfen. Marbach gehörte wohl seit jeher zur Burg Grafeneck.

Im späten 15. Jahrhundert erwarb Graf Eberhard im Bart von Württemberg die Burg, die mehrmals verpfändet wurde. Unter Herzog Christoph entstand dann 1556/60 eine neue Vierflügelanlage, die Herzog Karl Eugen gut 100 Jahre später grundlegend umgestalten ließ. Zwischen dem Schloss und der Amtsstadt Münsingen wurde eine Allee angelegt.

Samariterstift im Schloss Grafeneck

Seit 1928 beherbergte das Schloss ein Heim für Behinderte der Samariterstiftung Stuttgart, der neuen Eigentümerin. Im Oktober 1939 beschlagnahmte das Württtembergische Innenministerium die Einrichtung für Zwecke des Reiches mit der Auflage, das Schloss innerhalb von zwei Tagen zu räumen. Grafeneck wurde zum Standort für die erste Tötungsanstalt der Aktion T 4 umgebaut und damit zum Vorbild für alle späteren Vernichtungsanlagen des Nazi-Regimes. 1947 erhielt die Samariterstiftung Grafeneck von den französischen Behörden zurück. Seitdem ist das Schloss wieder Teil des Samariterstifts Grafeneck, einer diakonischen Einrichtung für Menschen mit Behinderungen.

Samariterstift Grafeneck
72532 Gomadingen-Grafeneck
Telefon: 07385 966-0
Telefax: 07385 966103

www.samariterstiftung.de

Gedenkstätte Grafeneck

Von Januar bis Dezember 1940 wurden hier 10.654 Anstaltspatienten vor allem aus Baden, Württemberg und Bayern von den Nazis ermordet. Dann wurde Grafeneck aufgegeben – vermutlich wegen des Unmuts in der Bevölkerung, des Protestes aus Kirchenkreisen und aus der NSDAP ins hessische Hadamar versetzt. Nach ihrer Fortsetzung im hessischen Hadamar wurde die Aktion T 4 erst im Herbst 1941 eingestellt.

Zum Gedenken an die Ermordeten wurde 1990 eine offene Gedenkstätte erbaut. Im Jahr 2005 wurde zusätzlich ein Dokumentationszentrum errichtet, in dem die Geschichte einzelner Opfer dargestellt ist.

Gedenkstätte Grafeneck
mit Dokumentationszentrum

Grafeneck 3
72532 Gomadingen
Telefon: 07385 966-206
Telefax: 07385 966-208
E-Mail:
www.gedenkstaette-grafeneck.de

Die Ortsgeschichte von Marbach

Als Marpach ist der Ort 1240 erstmals urkundlich erwähnt. Das Gestüt, das hier seit über 500 Jahren besteht, könnte vermuten lassen, das Bestimmungswort Mar- sei mit Pferd zu übersetzen; aber der Bach kann ursprünglich auch die Grenze, marca, zwischen zwei alten Verwaltungs- bzw. Gerichtsbezirken bezeichnet haben.

Die Siedlung bestand im 13. Jahrhundert aus wenigen Höfen, Kirche und Mühle. Im späten 15. Jahrhundert ging die Ortsherrschaft samt dem Patronatsrecht an der Kirche von der Familie Grafeneck ebenfalls an Württemberg über. Zur Zeit der Reformation wurde die Pfarrei aufgehoben und ihr Sprengel Dapfen zugeschlagen; Kirche und Pfründhaus verfielen. Auch die bereits 1240 erwähnte Mühle verfiel 1634 und wurde nicht wieder aufgebaut.

Die erste urkundliche Erwähnung des Gestüts konnte in einer Urkunde aus dem Jahre 1514 nachgewiesen werden. Spätestens unter Herzog Christoph von Württemberg (1550-1568) setzte der Ausbau Marbachs zum herrschaftlichen Gestüt ein, das schon bald einen guten Ruf hatte. Auch nach dem 30-jährigen Krieg kam es rasch zum Wiederaufbau. Im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts wurde mit der Gestütsordnung die erste deutsche Körordnung für Gestüts- und Privathengste geschaffen und damit die strikte Zuchtwahl zum Ziel erklärt. Nach einer Zeit des Niedergangs erlebte die Pferdezucht um 1800 einen erneuten Aufschwung. 1817 wurde Marbach zum Landgestüt erhoben und erhielt die Gestütshöfe Offenhausen, St. Johann und Güterstein zugewiesen. Der Gebäudebestand ist im Wesentlichen noch der des 19. Jahrhunderts.

Die Ortsgeschichte von Dapfen

Obwohl Dapfen kein -ingen-Ort ist, gehört auch er zur ältesten alemannischen Siedlungsschicht. Grabfunde der Merowingerzeit und das Martinspatrozinium der Kirche weisen darauf hin. Bereits 904 wird der Ort als Taffo samt der (Pfarr)Kirche in einer Schenkung an das Kloster St. Gallen erstmals urkundlich erwähnt. Der Name kommt von ahd. staffo = Schritt und bedeutet Siedlung an der Furt.

Der ursprüngliche herrschaftliche Schwerpunkt lag auf dem Kirchberg mit der Pfarrkirche, dem Kirchhof sowie der unterhalb der Kirche gelegenen Bannmühle. Wasserstetten, das bis 1511 nur den Ortsnamen Stetten trug, wurde vermutlich im Frühmittelalter von Dapfen her begründet. Es hatte nie eine eigene Markung, sondern war stets mit Dapfen verbunden.

Buchempfehlung

Anlässlich der 1100-Jahr-Feier in Dapfen im Jahr 2004 wurde ein Heimatbuch über die Geschichte Dapfens herausgebracht. Leider ist dieses Buch zurzeit vergriffen.

Die Ortsgeschichte von Wasserstetten

Wasserstetten, das bis 1511 nur den Ortsnamen Stetten trug, wurde vermutlich im Frühmittelalter von Dapfen her begründet. Es hatte nie eine eigene Markung, sondern war stets mit Dapfen verbunden.Nachweisbar seit dem Jahr 1818 wurden in der Lauter (anfangs in Dapfen und seit 1837 bis 1948 in Wasserstetten) Schafe gewaschen und anschließend die Schafschur durchgeführt. Wasserstetten war dabei einer der ältesten und meist besuchten Schafwäschereien Süddeutschlands. Über mehr als 100 Jahre gingen bei der Brücke in Wasserstetten jedes Frühjahr bis zu 20.000 Schafe durch die Wäsche. Dutzende von Schäfern wanderten mit ihren Herden nach Wasserstetten zur Schafwäsche.

Die Schafwäsche früher

Einen Tag vor der Wäsche erfolgte die sogenannte Schwemme, um die verschmutzte Wolle gründlich einzuweichen. Dabei wurden die Schafe durch ein enges Doppelgatter getrieben, das direkt in den angestauten Fluss mündete. So hatten die Tiere keine andere Wahl, als ins Wasser zu springen. Dieser Vorgang wurde am selben Tag nochmals wiederholt. Die folgende Nacht verbrachten die Schafe mit nassem Pelz in einem Pferch. Am nächsten Tag folgte dann die eigentliche Wäsche auf dem gleichen Weg durchs Wasser. Dabei wurden, je nach Größe der Herden, täglich 1.000 bis 1.500 Tiere der Reihe nach von den in Holzhütten stehenden Schafwäschern mit bloßen Händen durchgewaschen.

Nach festgelegtem Schema bearbeitete jeder der 4 Schafwäscher einen anderen Körperteil des Tieres. Die durchnässte Wolle trocknete, je nach Witterung, in 2 bis 3 Tagen während der Heimkehr in frisch gesäuberte Stallungen oder auf dem Weg zur anschließenden Schafschur. Der Beruf des Schafwäschers war ein überkommendes Recht innerhalb der Familie und für die Bauern der Alb ein willkommenes Zubrot zum kärglichen Einkommen aus der Landwirtschaft.

Die Schafwäsche heute

Heute erinnert an diese historische Schafwäsche eine bronzene Figur, die einen Schafwäscher zeigt, der gerade ein Schaf wäscht. Die Bronzefigur befindet sich direkt an der Brücke über die Große Lauter in Wasserstetten – dem Originalschauplatz der damaligen Schafwäsche. Im Sommer 2009 wurde die Schafwäsche im Zuge eines großen Festes erstmals wieder durchgeführt. Dabei wurden die historischen Überlieferungen genauestens angewendet. Zunächst wurde die Große Lauter aufgestaut. Die Schafwäscher führten hier dann ihre Wäsche in alten Mostfässern durch. Anschließend wurde die Schafschur auf historische Weise vorgeführt.